gutes E-Book

Was macht ein gutes E-Book aus? fragte mich Klaus, während er mit der Schaufel im Garten ein Loch aushob. Ein gutes E-Book kennzeichne sich durch Spannung, erwiderte ich. Eine knisternde Atmosphäre müsse es schon sein. Klaus blickte kurz auf, sah dann zu dem winzigen Bäumchen, für welches das Loch allmählich viel zu groß zu werden drohte. Er wird schon wissen, was er tut, dachte ich.

Darf ein gutes E-Book denn auch ein Mehrteiler sein? fragte Klaus wieder, während er emsig immer weiter grub. Natürlich dürfe ein gutes E-Book auch aus mehreren Teilen bestehen, gab ich ihm zu verstehen. Insofern würde sich ein gutes E-Book von einem schlechten nicht unterscheiden. Nein. Ein gutes E-Book hätte jedes Recht, ebenso umfangreich zu sein.

Klaus richtete sich auf, wischte sich über die Stirn, fügte sich mit der von Erde verschmutzten Hand eine Kriegsbemalung zu und lächelte mich an. Auch ich lächelte. Dieser Klaus stellte mir manchmal einfach viel zu dumme Fragen. Ein gutes E-Book ist jedes andere gute Buch. Nur eben – in den meisten Fällen – ohne Verlag.

Ob er den blutigen Weg nach Absurdistan kenne, fragte ich ihn. Dann spürte ich einen harten Schlag.

Eben bin ich aufgewacht. Der erste Gedanke war noch, was ein gutes E-Book sei. Der zweite aber war geprägt von Verzweiflung. Denn ich lag in einem Sarg aus Holz. Ein wenig indirektes Licht, durch eines dieser Knacklichter, hatte mir einer in den Sarg geworfen. Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nur geradeaus schauen. Und dort sah ich die letzten Worte, die ich in meinem Leben lesen würde. Ein gutes E-Book, soweit es ein Krimi ist, beginnt mit einem Betrug, steigert sich in den Tod und lässt am Ende eine Pflanze aus sich sprießen – wie ein Wink der Hoffnung von einem Spaten. Verzeih den Wortwitz. Gruß Klaus!

Klaus hatte für mich gegraben. Für mich und seine Pflanze. In Kürze würde ich nicht mehr als Dünger sein. Er muss es wohl herausgefunden haben …

 

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