gutes Buch

Ein gutes Buch

Wenn sie wie ich ein gutes Buch suchen oder auch schon länger auf der Suche danach sind, dann ist „Der blutige Weg nach Absurdistan“ vielleicht etwas für sie, hatte der Getränkehändler mir empfohlen.

Klar. Ich werde sicher von einem Getränkehändler erfahren, was ein gutes Buch sei, dachte ich. Doch er begann zu philosophieren und zu schwadronieren über die Welt und erklärte, dass ein gutes Buch einem die Augen öffnen müsse. Man solle sich darin aufhalten können, in es eintauchen und am besten gleich aus der Welt komplett entführt werden. Es solle einen erheitern, einen zwar nicht gleich glücklich machen – dafür gebe es nämlich andere Wege, meinte er mit bedeutungsschwangerem Blick; dennoch solle ein gutes Buch einem die Welt mit neuer Farbe und gespitzter Miene zeichnen, auf dass alles in ihr eine neue Bedeutung bekäme.

Das ist ja ganz schön viel, für ein einzelnes Buch, erwiderte ich.

Er aber palaverte weiter. Über Gott und die Welt, und das mit mir, dem Atheisten. Es sei ja wohl die reine Kunst, auf vielen Ebenen ein und dieselbe Geschichte zu erzählen. Stränge zu verweben, wie ein großes Spinnennetz, an denen man kleben bleiben kann, ohne zu fürchten, dass gleich die große Spinne kommt. Viele Stränge gewoben mit einer großen Präzision. Das mache ein gutes Buch aus.

Ich hasse Spinnen, sagte ich. So kriegen Sie mich sicher nicht.

Es geht doch nicht um Spinnen. Es geht darum, dass man sich in ein gutes Buch hineinverlieren kann und verändert durch die Struktur der Worte als neues Gebilde daraus hervortritt. Und das kann der blutige Weg nach Absurdistan machen.

Hört sich eher nach Gemetzel an.

Ist es aber nur teilweise. Es zeigt die Welt in rotem Licht. Es zeigt, wie wenig man der Wärme dieses Lichts vertrauen kann. Es erklärt, wo man dennoch Wärme und Trost findet. Es zeigt den Mensch als Poyphem (der geblendete Zyklop) und lässt ihn dennoch nicht im Regen stehen. Es zeigt die Perversion der Welt und auch, was dem Held an ihr gefällt. Es ist an ihm, den Reim sich zu machen, dann kann er weinen, tanzen und auch lachen. Der blutige Weg nach Absurdistan ist ein wirklich gutes Buch. Hol’s dir. Du wirst es sicher mögen …

Und er holte das Buch hervor, begann es zu streicheln und zu küssen. Ja. Du bist ein gutes Buch, nicht wahr, sagte er und beschritt damit bereits zum wiederholten Mal den Weg. Was nicht langweilig ist, wie ich erfuhr. Denn die zweite Lektüre lässt eine ganz neue Entdeckungsreise zu.

 

#drkallekotz   #derblutigewegnachabsurdistan