Ebook

Der blutige Weg als ebook in einem Buchladen?

Eines Tages stand Kalle vor einem Laden und rührte sich nicht. Es war der Tag, an dem er über sein W-LAN-Kabel mit dem linken Arm zuerst aufgestoßen war und sich dabei den Ellenbogen geprellt hatte. Es war gleichzeitig der Tag gewesen, an dem er sich seinen morgendlichen O-Saft direkt in den Magen gebeamt hatte und sich vorstellte, er sei in Wirklichkeit dazu berufen gewesen, den Marty McFly in zurück in die Zukunft zu spielen.

Kalle stand also vor dem Laden und glotzte wie ein Rinozerus, dem sie gerade ein Rinozerusbetäubungsmittel verabreicht hatten, durch die Schaufensterscheibe in einen Laden. „Was hat sie den so erschreckt?“, meinte im Vorrübergehen ein altes Weib. „Junge, junge! Sie sind ja ganz weiß?“ Kalle blickte sie an, ersparte sich einen Satz, der hier unangebracht, weil rasistisch gewesen wäre und starrte wieder in das Fenster. „Da ist mein ebook!“, stammelte er.

„Ihr ebook?“, fragte die Alte und blieb stehen, obwohl sie praktisch schon weitergelaufen war. „Sie haben ein ebook geschrieben? Und was wollen sie dann vor diesem Bücherladen? Es ist kalt und sie sind zu frisch angezogen. Dort werden sie ihr ebook wohl kaum finden. Ein ebook liegt nicht in einer Schaufensterscheibe rum. Bestenfalls ein Plakat davon. Aber sicher nicht in einem Buchladen. Die hassen die Bücherlädenleute nämlich. Da. Sie schwitzen. Ich seh das doch, das sind Schweißperlen. Sie haluzinieren.“

„Aber da, schauen sie doch!“, rief Kalle. „Das ist doch der blutige Weg nach Absurdistan als ebook“ in einer Hardcoverediton.

„Junge, jetzt wird’s aber wirklich Zeit für’s Bett und ein ordentliches Vitaminzäpfchen. Mach ich auch immer so, wenn ich mich schlecht fühle. Ein Dings hinten rein, dann geht’s auch mit dem Stuhlgang leichter. Los jetzt, ab ins Bett mit ihnen.“

„Wollen sie denn nicht einmal schauen?“, fragte Kalle.

„Wieso sollte ich?“, erwiderte die Alte brüsk. „Es ist klar, dass sie halzinieren. Ein ebook finden sie niemals in einem Buchladen. Das ist so sicher wie das Jammern in der Kirche, wenn der alte Pfaffe kommt. Den jungen find ich ja ganz süß. Aber der Alte, der ist so langweilig.“

„Sie haben sicher recht“, murmelte Kalle und ging nach Haus. Er legte sich ins Bett, steckte sich ein Stäpfchen in den, naja, sie wissen schon und wollte einfach wieder klarkommen.

Als Kalle weg war, ging die Alte kopfschüttelnd zum Schaufenster – nur so, zur Sicherheit. Und als sie es sah, traute sie ihren Augen nicht. Da lag ein ebook in einem Buchladen. Die Alte kratzte sich am Ohr, fuhr sich mit der flachen Hand über die Stirn, blickte kurz zum Himmel und rief dem fließenden Straßenverkehr so laut sie konnte – wie es verrückte eben machen – zu: „Bei Gott! Der blutige Weg nach Absurdistan! Das gibt’s als ebook! Da drinnen!“ Dann bemerkte sie, was passiert war. Sofort sprang sie auf, lief nach Haus, legte sich ebenfalls ins Bett und drückte sich ein Zäpfchen rein.

 

 

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