Der beste Schriftsteller der Welt

Lieber Herr Knabenhauer! Schön, dass sie heute hier sind. Ich will nicht lang drum rumreden und unsere Leser mit ihrer schon tausendfach belobhudelten Vita quälen. Jeder weiß ja wohl, wer sie sind *spack*.

Was?

Nichts, Herr Knabenhauer. Es ist nichts. Ich soll ihnen heute, auf Nachfrage einiger Leser, die Frage stellen, wie der beste Schriftsteller der Welt sich aus ihrer Sicht darstellt. Was muss er bringen? Und wo würden sie auf einer Skala von eins bis zehn Herrn Kalle Kotz einstufen?

Hm. Der beste Schriftsteller der Welt? Wer? Kalle Kotz? Kenn ich nicht. Der blutige was? Die Frage an sich, wer der beste Schriftsteller der Welt ist, ist doch schon schwer genug. Eine ausgesprochen schwierige Frage, an deren Beantwortung sich nur die klügsten Köpfe überhaupt versuchen dürfen. Vielleicht müsste man daher zunächst einen dogmatischen Ansatz wählen und sich fragen, ob der beste Schriftsteller der Welt sich an einer bestimmten Kategorie von Merkmalen ausmachen lässt. Der beste Schriftsteller der Welt könnte möglicherweise auch dem Verbot unterliegen, beleidigende Worte zu benutzen. Wenn sich  schließlich jemand, um zu beleidigen, nicht einer Kombination einfachster Worte bedienen kann oder durch die – wie es bäuerlich so schön heißt – Blume sprechen kann, sprich, sich nicht gewählt ausdrücken kann, wie sollte er dann der beste Schriftsteller der Welt sein. Der beste Schriftsteller der Welt sollte schon eine gewisse Kunstfertigkeit im Umgang mit der Sprache haben, eine Leichtigkeit im Schreiben, ein lebendiges Fluidum im Sprechen, einen zarten Singsang beim Lesen. Ja! Sie lachen. Weil sie dumm sind! Was sie nicht verstehen: Schreiben ist wie Tanzen! Es kommt auf den Rhythmus an – auf den Beat. Ob die Worte vieler Seiten wie Perlen an einem Seil hängen; das macht nämlich den Unterschied zwischen einem dummen, einem großen und dem besten Schriftsteller. Der beste  Schriftsteller der Welt beherrscht alle Werkzeuge, alle Stilmittel und auch das Leben. Was will Dir denn irgendso ein Wicht vom Leben erzählen, wenn er den blutigen Weg nach Absurdistan noch nicht beschritten hat. Was sagen sie? Das ist von wem? Kalle Kotz? Nie gehört. Na gut. Wenn sie das sagen. Dann wird es schon so sein. Der beste Schriftsteller der Welt muss jedenfalls richtig gelebt haben. Er muss auch gelitten haben. Er muss sich die Zunge an der Suppe verbrannt haben. Sonst weiß er doch gar nicht, was er da schreibt. Da kann nur Unsinn dabei rauskommen. Das wird schiefgehen. Ich will außerdem kein Buch von irgendeinem Würstchen lesen, das noch in die Windeln geschissen hat, als ich Großvater wurde. Ein guter Autor ist wie ein guter alter Wein. Der beste Autor der Welt ist sicher über siebzig – so wie ich. Und er hat sein Leben nicht in der Kammer verbracht! Er hat sich die Nachrichten von den Menschen besorgt. Die Nachrichten im TV hat er auch gesehen und sich freilich augenblicklich übergeben. Denn ein guter Autor muss auch kritisch sein. Wer das nicht versteht, ist vermutlich der schlechteste Leser der Welt und keinen Schuss Pulver wert. So. Jetzt muss ich aber wieder. Tschüss!

Danke Herr Knabenhauer, für ihre ausführlichen Hinweise.

 

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