Das beste Buch der Welt

Ich hätte gern das beste Buch der Welt, hatte ich an der Kasse der Buchhandlung gesagt. Die Verkäuferin hatte mich an den Marktleiter verwiesen. Immerhin kannte man mich hier. Erneut formulierte ich meine Frage, ob er das beste Buch der Welt in seinem Laden verkaufe. Wenn es nicht allzu teuer sei, sollte er ja sehr wohl das beste Buch der Welt in seinem Laden führen, schließlich sei es ja ein Bücherladen. Der Marktleiter sah mich zweifelnd an, musterte mich von oben bis unten und meinte: „Wieso will einer, der von Stil offenbar nichts versteht, das beste Buch der Welt haben? Für Sie muss es wohl eher die Blitz-Illu oder der Playboy sein, nicht wahr?“

„Und ob ich das beste Buch der Welt zu schätzen wüsste. Ausgerechnet Sie wollen mich darüber belehren, was sich wer erlauben kann? Sie sind mir ja einer.“

Der Marktleiter betrachtete mich erneut. Verwunderten Blickes meinte er dann: „Also gut. Wenn Sie partout darauf bestehen. Ich kann Ihnen schon das Buch zeigen, das ich selbst für das beste Buch der Welt halte. Immerhin gibt es für so was ja kein Thermometer, nichtwa?“ Er ging zu einem Stand, zog ein altes vergilbtes Buch hervor und meinte. „Hier bitte. Das sollte Ihnen helfen, Herr Meier.“

„Der Prozess?“, rief ich und sah ihn fragend an. „Sie meinen wirklich, Kafka hätte damit das beste Buch der Welt geschrieben?“

„Aber natürlich glaube ich das. So wie Kafka insgesamt genial war, war es auch dieses Buch.“

„Und was ist mit dem blutigen Weg nach Absurdistan?

„Nie gehört.“

„Jetzt mal ehrlich“, und ich blickte auf sein ans Verkäufermäntelchen geheftete Schildchen, auf dem Marktleiter und Herr Kratzer stand, „Herr Krätze: Wie wollen sie wissen, was das beste Buch der Welt ist, wenn sie den blutigen Weg nach Absurdistan nicht kennen? Das ist lächerlich.“

„Wie sie meinen. Aber hier in dieser Bibliothek kaufen wir nunmal keinen Schund ein. Wäre das ein gutes Buch, dann hätten wir es hier. Dann hätte ich davon gehört.“

Mit einer Faust wollte ich ihn schlagen, rutsche dabei auf den Feuchtgebieten aus, musste im Fallen noch lachen und erwachte zwei Tage später mit einem dicken Kopfverband im Krankenhaus. Die Buchhandlung habe ich nie wieder betreten – dürfen.

 

#drkallekotz #derblutigewegnachabsurdistan